Altersmedizin schafft Lebensqualität

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Wie die Akutgeriatrie am Krankenhaus Vilshofen älteren Menschen in ein möglichst pflegeunabhängiges Leben zurück hilft.

Ältere Menschen bedürfen aufgrund ihrer körperlichen und geistigen Eigenschaften besonderer Aufmerksamkeit. Am Krankenhaus Vilshofen geht die Akutgeriatrie auf diese besonderen Bedürfnisse ein. Das Ziel: Erkrankungen behandeln, die hochbetagte Patienten in ihrer Selbständigkeit und Pflegeunabhängigkeit behindern.

Siebert klein

Dr. med. univ. Iris Siebert, Chefärztin

Am Krankenhaus Vilshofen wird interdisziplinär und multiprofessionell zusammengearbeitet, wenn es um die akutgeriatrische Behandlung geht. Denn dieser Ansatz ist komplex. Wie körperliche, geistige, psychische und soziale Aspekte von Anfang an berücksichtigt werden, lässt sich anschaulich und konkret an einem fiktiven Beispiel aufzeigen.

Stellen wir uns einmal einen 82-jährigen Mann vor, der nachts zuhause stürzt und sich einen Oberschenkelhalsbruch zuzieht. Mit dem Rettungswagen wird er ins Krankenhaus Vilshofen eingeliefert. Dort fällt auf, dass er sein Alter nicht korrekt angeben kann. Angehörige weisen darauf hin, dass der ältere Herr in letzter Zeit schon mehrfach gestürzt sei. Er sei jedoch mit familiärer Unterstützung bisher noch gut in der eigenen Wohnung zurechtgekommen. In der körperlichen Aufnahmeuntersuchung und im Labor zeigen sich Anzeichen dafür, dass der Patient in den letzten Tagen wohl nicht genug getrunken hat.

Den geistigen Zustand erfassen

Hier wird schon in der Aufnahme gezielt darauf geschaut, ob bei dem Patienten Hinweise auf eine Verwirrtheit zu erkennen sind. Insbesondere bei Menschen über dem 70. Lebensjahr steigt das Risiko entweder durch eine akute Erkrankung einen Verwirrtheitszustand zu erleiden oder aufgrund einer dementiellen Entwicklung besonders anfällig dafür zu sein. Daher wird von der Notaufnahme aus ein geriatrisches Konsil für den nächsten Tag veranlasst.

Zum Zeitpunkt der Aufnahme ist der 82-Jährige noch in der Lage, die Aufklärung der Anästhesie und der Unfallchirurgen zu verstehen. Da er insgesamt mehrere Risikofaktoren für die Entwicklung eines Delirs hat, wird dies auch in der Anästhesie berücksichtigt. Er erhält eine besondere Form der zusätzlichen lokalen Anästhesie, die dafür sorgt, dass der Schmerz in der Aufwachphase geringer ausfällt. Somit
werden Opioide (starke Schmerzmittel, die auch eine Verwirrtheit bewirken können) gespart.

Möglichst hohe Lebensqualität anstreben

Die unfallchirurgischen Kollegen berücksichtigen bei der Wahl der operativen Versorgung, dass der ältere Mann schon mehrmals gestürzt ist. Außerdem ist unklar, ob er eine Teilbelastung nach der Operation umsetzen kann. Ganz im Sinne der alterstraumatologischen Versorgung entscheiden sich die Chirurgen für ein Verfahren, bei dem der Patient unmittelbar nach der Operation das betroffene Bein voll belasten darf und im Regelfall nur eine Operation nötig ist. Operation und Narkose verlaufen unkompliziert. In der Aufwachphase zeigt sich der Patient dann jedoch unruhig. Er weiß nicht mehr, wo er ist und warum er sich im Krankenhaus befindet. Bei dem nun durchgeführten geriatrischen Konsil muss leider die Diagnose eines akuten Delirs gestellt werden. Da auch die Entzündungswerte ansteigen und der ältere Patient an einer chronischen Lungenerkrankung leidet, kommt er zur weiteren Behandlung in die Akutgeriatrie. Ziele der sogenannten akutgeriatrischen Komplexbehandlung mit frührehabilitativem Ansatz: Die vor der akuten Erkrankung bestehenden Fähigkeiten wiederzuerlangen und eine Pflegebedürftigkeit zu vermeiden. Hier wird durch die Strukturierung des Tagesablaufs, durch tägliche Krankengymnastik, Ergotherapie, Logopädie / Schlucktherapie, aktivierende Pflege und tägliche sowohl geriatrisch-internistische als auch unfallchirurgische Visite dafür gesorgt, sowohl die Operationswunde als auch den Verwirrtheitszustand optimal behandeln zu können und weitere Komplikationen zu vermeiden.

Als Ursache für den Sturz und die beginnende Desorientiertheit bei der Aufnahme können in diesem Fall mehrere Faktoren ausgemacht werden: Der Patient hat im Nachhinein bestätigt, wenig getrunken zu haben, da ihm die Prostata zu schaffen mache und er den Gang zur Toilette meiden wolle. Zudem waren der Sturz mit den Schmerzen, die akute Stresssituation und die nachfolgenden Ortswechsel (Notaufnahme, OP-Bereich, Aufwachraum) sowie die nötige Schmerzmedikation auslösend für die postoperativ aufgetretene Verwirrtheit. Doch der 82-Jährige hat Glück.

Die Verwirrtheit klingt innerhalb weniger Tage ab. Der Sozialdienst, der automatisch bei jedem akutgeriatrisch behandeltem Patienten mit einbezogen wird, leitet eine anschließende geriatrische Rehabilitationsbehandlung ein. Hierfür wird der Patient direkt vom Krankenhaus aus verlegt. Außerdem lässt der ältere Mann nach Beratung noch eine Patientenverfügung und eine Vollmacht auf eine Vertrauensperson aus seiner Familie ausstellen. Denn ihm ist nach dieser Erkrankung klar geworden, wie schnell es gehen kann, dass
man nicht mehr Herr seiner Sinne ist. Damit er wegen der Prostata künftig mehr trinkt, wird auch der Urologe während des Krankenhausaufenthalts hinzugezogen. Zudem wird noch in weiteren Untersuchungen ausgeschlossen, dass das Herz Ursache für die Stürze ist.
Nur durch diese fach- und berufsgruppenübergreifende Versorgung älterer Patienten sind die bestmöglichen Ergebnisse erreichbar. Dass es auch Verläufe gibt, bei denen es trotz bestmöglicher Versorgung zu weiteren Komplikationen kommen kann, liegt in der Natur des menschlichen Körpers. Jedoch hat sich das Krankenhaus Vilshofen, allen voran die Abteilung für Akutgeriatrie, speziell auf die Versorgung seiner älteren Mitmenschen eingestellt. Sowohl die Ärzte als auch Pflegekräfte unternehmen alle Anstrengungen, um den Aufenthalt so wenig belastend wie möglich zu gestalten – für die Patienten sowie deren Angehörigen.

Eine weitere Gruppe von Helfern, die sich am Krankenhaus Vilshofen etabliert hat, darf an diese Stelle nicht vergessen werden. Der ehrenamtliche Besuchsdienst, der im Rahmen des Projekts „Demenz im Krankenhaus“ in Zusammenarbeit mit der Alzheimer- Gesellschaft geschult wird und sich auf die Hilfe für Patienten mit einer akuten Verwirrtheit
spezialisiert hat.

Ehrenamtlicher Besuchsdienst am Krankenhaus Vilshofen

Rund 1,5 Millionen Menschen leiden in Deutschland an einer Demenz. Es gibt viele Formen der Krankheit und die Ursachen sind vielfältig. Erkrankte brauchen Menschen, die ihre Krankheit verstehen, Zeit haben und ihnen Sicherheit geben. Da diese besondere Zuwendung während eines Krankenhausaufenthalts von Pflegepersonal und Angehörigen nicht immer leicht umzusetzen ist, werden sie am Krankenhaus Vilshofen vom ehrenamtlichen Besuchsdienst unterstützt. Die an Demenz erkrankten Patienten erhalten vom Besuchsdienst Zuwendung, Verständnis, Anerkennung und Beschäftigung. Durch aktives Zuhören schaffen die freiwilligen Mitarbeiter Geborgenheit, geben den Betroffenen Sicherheit und Orientierung und beugen Isolation vor. Wer sich für ein Engagement beim ehrenamtlichen Besuchsdienst entscheidet, sollte Zeit, Geduld und Einfühlungsvermögen mitbringen. Im Rahmen einer dreitägigen Schulung werden die Freiwilligen daher umfassend auf ihren Einsatz am Patienten vorbereitet und in ihrem Tun am Patienten gestärkt.

Sie interessieren sich für eine ehrenamtliche Mitarbeit?

Ines Jochum, Stabsstelle Altersmedizin der PDL, freut sich auf Ihren Anruf unter Tel. 08541/206-171 oder 08541/206-322.

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