Hilfe, wenn die Seele leidet

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Fotolia_Smileus_63191494_L_facebookPsychosomatische Klinik Südostbayern informiert Ärzte und Psychotherapeuten

Psychosomatische Erkrankungen nehmen zu und können jeden treffen. Die Zahl der psychosomatischen Leiden hat in den vergangenen zehn Jahren um 50 Prozent zugenommen und rangiert heute auf Platz 3 der Gründe für Krankschreibungen. Diese Entwicklung war für die Landkreis Passau Gesundheitseinrichtungen Grund genug, im Rahmen ihres Versorgungsauftrags auch die Behandlung psychosomatischer Erkrankungen abzudecken. Im vergangen Jahr wurde die Psychosomatische Klinik Südostbayern mit ihren zwei Standorten in Betrieb genommen – einer stationären psychosomatischen Versorgung am Krankenhaus Wegscheid sowie einer psychosomatischen Tagesklinik in Passau.

„Sich Zeit nehmen ist das Wichtigste“

Im Rahmen einer Infoveranstaltung stellte sich die Psychosomatische Abteilung der Landkreis Passau Gesundheitseinrichtungen jüngst Ärzten und Psychotherapeuten aus der Region  vor. „Wie bei den meisten anderen Erkrankungen auch, suchen die Betroffenen psychosomatischer Erkrankungen erst dann einen Arzt auf, wenn der Leidensdruck sehr groß ist“, so Dr. Alexander Knipel, Chefarzt der Psychosomatischen Klinik Südostbayern, der einen Überblick über die Erkrankung sowie den Therapiemöglichkeiten gab. Dann vergeht häufig noch Zeit, bis die Krankheit überhaupt erst einmal erkannt wird, aber auch vom Patienten angenommen wird. „Oftmals war ein Patient wegen starker Magenschmerzen schon das dritte Mal bei der Gastroskopie, oder aber er spürt wiederholt Schmerzen am Herz, wo mehrfache organische Abklärungen gemacht wurden, ohne dass eine organische Ursache gefunden werden konnte“ erklärt Dr. Knipel. In solchen Fällen ist es ratsam, dass der Patient auch aus psychosomatischer Sicht untersucht wird, denn: Physisches Leiden hat oft psychische Ursachen. 

Wie bei den meisten anderen Erkrankungen auch, suchen die Betroffenen psychosomatischer Erkrankungen erst dann einen Arzt auf, wenn der Leidensdruck sehr groß ist.Dr. Alexander Knipel
Ob dies der Fall ist, wird an der Psychosomatischen Klinik Südostbayern im Rahmen eines Vorgesprächs festgestellt. Dafür nehmen sich die Ärzte rund eine Stunde Zeit. Denn: „Sich Zeit nehmen ist das Wichtigste“, erklärt Dr. Knipel, „das gilt nicht nur für die Therapie. Nur wer sich Zeit nimmt kann zu seiner Umwelt Kontakt aufnehmen und Vertrauen aufbauen.“ Ein Vorgespräch ist laut Dr. Knipel innerhalb von zwei Wochen möglich. Dass es schnell geht ist ihm, besonders bei akuten Krisen der Patienten, sehr wichtig. Für ein Vorgespräch wird entweder eine stationäre Einweisung oder eine ambulante Überweisung (wenn das Vorgespräch im MVZ in Wegscheid durchgeführt wird) des Hausarztes benötigt.

Ambulante oder stationäre Therapie

Der wesentliche Unterschied zwischen der ambulanten und der stationären Therapie ist, dass man bei der ambulanten Abends wieder nach Hause geht. „Die ambulante Therapie ist natürlich immer dann interessant, wenn externe Faktoren, wie zum Beispiel die Versorgung der Kinder, eine vollstationäre Therapie nicht möglich machen. Jedoch steht bei uns der Schweregrad der Erkrankung immer im Vordergrund“ erklärt Dr. Knipel. Bei akuten Krisen ist in der Regel immer eine stationäre Behandlung notwendig. Je nach Schweregrad der Erkrankung wird im Vorgespräch eine fachliche Empfehlung an den Patienten, als auch den einweisenden Kollegen, weitergeben. Die Therapiedauer beträgt sowohl in der Tagesklinik als auch bei einer stationären Behandlung im Durchschnitt sechs Wochen. Behandelt werden an der Psychosomatischen Klinik Südostbayern Depressionen, Angst- und Panikstörungen, somatoforme Störungen, posttraumatische Belastungsstörungen, Zwangsstörungen sowie Essstörungen. Bei bestimmten Erkrankungen (zum Beispiel schwere Ess- oder Zwangsstörungen und posttraumatische Belastungsstörungen) wird im Vorgespräch beurteilt, ob im Einzelfall auch eine hierauf spezialisierte Klinik empfohlen werden muss, aber auch ob möglicherweise eine stationäre psychiatrische Behandlung im Vordergrund steht. Dies ist bei akuter Suizidalität, Suchterkrankungen, Gerontopsychiatrischen Erkrankungen, als auch Erkrankungen mit psychotischen Phänomenen notwendig.

Tanz- und Bewegungstherapie

Ziel der Therapie ist es wieder einen Zugang zu seinem Körper zu bekommen und einfach mal wieder Freude zu erleben.Margit Thieringer, Tanz- und Bewegungstherapeutin
Im Rahmen der Behandlung kommt eine Vielzahl von Therapien zum Einsatz. Über die Tanz- und Bewegungstherapie informierte Margit Thieringer, die über eine entsprechende Ausbildung verfügt. „Ziel der Therapie ist es wieder einen Zugang zu seinem Körper zu bekommen und einfach mal wieder Freude zu erleben“, so Thieringer. Mittels gesteigerter Achtsamkeit kann der Patient seinen Körper wieder viel besser wahrnehmen und dadurch einen anderen Zugang zu ihm finden. Sie ergänzt: „Grundsätzlich fällt diese Form der Therapie Männern schwerer, da diese eher einen funktionalen Zugang zu ihrem Körper haben“. Besonders Kreistänze sind laut Margit Thieringer sehr beliebt und wirkungsvoll, nicht zuletzt deshalb, weil man dabei einfach mal etwas aus dem Rahmen fallen kann bzw. die schmale Spur, auf der man sich aktuell befindet, verlassen kann.

Kunsttherapie

Auf die Wirkung der Kunsttherapie ging die hierfür ausgebildete Diplompädagogin Kathrin Brecht ein. Diese Form der Therapie ermöglicht die Entdeckung eigener Stärken sowie den Zugang zu inneren Bildern, die auf anderem Wege schwer zu erreichen sind. Durch das kreative Tun werden die Gefühle für die Patienten wahrnehmbar und beim anschließenden Betrachten und Besprechen kann ein anderer Blickwinkel eingenommen werden. „Auch diese Form der Therapie fällt Männern oft schwerer“, so Brecht. Denn: „Gerade sie unterliegen häufig einem Leistungsdenken und können daher die Wertschöpfung bei diesem Tun anfangs nicht erkennen.“

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