Menschen mit Demenz im Krankenhaus

Bayernweites Pilotprojekt

Seit 2014 nimmt das Krankenhaus Vilshofen am bayernweiten Pilotprojekt „Menschen mit Demenz im Krankenhaus“ teil. Das Projekt wird vom Bayerischen Gesundheitsministerium gefördert und in Kooperation mit dem Landesverband Bayern der Alzheimer Gesellschaft durchgeführt. Rund zehn Prozent aller Patienten in deutschen Krankenhäusern sind dement – Tendenz steigend. Die demographische Entwicklung unserer Gesellschaft beeinflusst und verändert auch die Behandlung, Versorgung und Pflege von Patienten im Krankenhaus. Insbesondere Menschen mit einer Demenz können den Behandlungsablauf oft nicht aktiv mitgestalten und sich an den vorhandenen Rahmenbedingungen orientieren. Für sie und ihre pflegenden Angehörigen stellt der Aufenthalt in einem Krankenhaus eine Ausnahmesituation dar. So können die fremde Umgebung, das Fehlen vertrauter Bezugspersonen, reduzierte Bewegungsmöglichkeiten, ein veränderter Tagesablauf, unbekannte Untersuchungen oder der allgemein hektische Krankenhausbetrieb zur gravierenden Verschlechterung der Demenzsymptomatik führen. Angehörige fühlen sich auch oft noch während des Aufenthaltes in der pflegerischen Verantwortung. Sie nehmen große zusätzliche Belastungen auf sich um nahezu rund um die Uhr im Krankenhaus zur Verfügung zu stehen. Gleichzeitig wird auch das Pflegepersonal vor große Herausforderungen, wie beispielsweise die veränderten Bedürfnisse von Demenzkranken, gestellt.

Auf spezielle Bedürfnisse eingehen

Ziel ist es, das Krankenhaus demenzsensibler zu gestalten. (Foto: kuzmafoto / Fotolia)

Ziel ist es, das Krankenhaus demenzsensibler zu gestalten. (Foto: kuzmafoto / Fotolia)

Daher ist es das Ziel des Projekts, das Krankenhaus Vilshofen demenzsensibler zu gestalten, indem die speziellen Bedürfnisse der Patienten erfasst und erarbeitet werden. Dazu zählt, das Personal auf allen Ebenen zu schulen und zu sensibilisieren sowie Strukturen, Abläufe und Handlungskonzepte im Krankenhaus so anzupassen, dass sie für demente Patienten leichter zu ertragen sind. So können konkrete Hilfestellungen angeboten und eine bessere Versorgung der Patienten und deren Angehöriger sichergestellt werden. Durch umfassende Schulungen werden die Mitarbeiter zum Thema Lebenswelt Demenz weitergebildet und im Behandlungsalltag mit Demenzerkrankten gestärkt. Dabei steht ein wertschätzender Umgang des Personals mit dem Demenzpatienten im Vordergrund. Die vertrauensvolle Zusammenarbeit zwischen Patient, Arzt, Pflegepersonal und anderen Berufsgruppen sowie den Angehörigen soll dazu beitragen, die belastenden Situationen für alle so weit wie möglich zu reduzieren. Ein möglichst stressarmer Aufenthalt im Krankenhaus ermöglicht somit auch den größtmöglichen Erfolg der Behandlung für den Patienten.

Ehrenamtlicher Besuchsdienst

Der ehrenamtliche Besuchsdienst ist Teil des Projekts "Menschen mit Demenz im Krankenhaus" (Foto: Alexander Raths - Fotolia.com)

Der ehrenamtliche Besuchsdienst ist Teil des Projekts „Menschen mit Demenz im Krankenhaus“ (Foto: Alexander Raths – Fotolia.com)

Wer an einer Demenz leidet, braucht Menschen, die seine Krankheit verstehen, Zeit haben und einem die nötige Sicherheit geben. Diese besondere Zuwendung ist während eines Aufenthalts im Krankenhaus vom Pflegepersonal und den Angehörigen nicht immer leicht umzusetzen. Daher werden sie am Krankenhaus Vilshofen seit Herbst 2015 von einem ehrenamtlichen Besuchsdienst unterstützt, der ebenfalls Teil des Projektes ist. Die Ehrenamtlichen wurden durch umfassende Schulungen der Alzheimer Gesellschaft auf ihren Einsatz am Patienten vorbereitet und in ihrem Tun am Patienten gestärkt. Die an Demenz erkrankten Patienten erhalten vom Besuchsdienst Zuwendung, Verständnis, Anerkennung und Beschäftigung. Durch aktives Zuhören schaffen die ehrenamtlichen Mitarbeiter Geborgenheit, geben den Patienten Sicherheit und Orientierung und beugen Isolation vor. Die Angehörigen wissen den Patienten in guter Obhut und können sich beruhigt anderen Dingen widmen. Durch regelmäßige Treffen des ehrenamtlichen Besuchsdienstes mit der Alzheimer Gesellschaft erhalten die Mitarbeiter Raum sich auszutauschen, Erfahrungen weiterzugeben und Probleme im Rahmen ihres Einsatzes am Patienten darzustellen. Zudem werden Fortbildungen zu speziell angepassten Themen angeboten, um den Ehrenamtlichen den Rücken in ihrer Tätigkeit zu stärken.

Eine ehrenamtliche Mitarbeit hat Ihr Interesse geweckt?

Ines Jochum, Stabsstelle Altersmedizin der Pflegedienstleitung, freut sich auf Ihren Anruf unter Tel.: 08541/206-171 oder 08541/206-322.

Rund 1,5 Millionen Betroffene

Rund 1,5 Millionen Menschen in Deutschland sind derzeit von einer Demenz betroffen. Es gibt viele Formen der Krankheit. Am stärksten vertreten ist der sogenannte Alzheimer, er tritt bei rund 60 bis 70 Prozent der Betroffenen auf. Die Ursachen für Demenzerkrankungen sind vielfältig. Auch der Krankheitsverlauf ist unterschiedlich, langfristig führen jedoch alle zum Verlust der geistigen Leistungsfähigkeit. Demenzerkrankungen können durch Medikamente im Fortschreiten verzögert werden, sind jedoch nicht heilbar. Die Vielfalt der Symptome im Rahmen einer Demenz, wie beispielsweise motorische Unruhe, herausforderndes Verhalten, Rufen und Ängste, können nicht immer nur mit Hilfe von Medikamenten, sondern oft auch im Rahmen eines bedürfnisorientieren Umgangs behandelt werden.

Das Pilotprojekt endet im Juni 2017. Am Krankenhaus Vilshofen wird es jedoch auch darüber hinaus weitergeführt. Leiterin des Projekts ist Ines Jochum, Stabsstelle Altersmedizin der Pflegedienstleitung.

TEAM & KONTAKT

Ines Jochum
Stabsstelle Altersmedizin der PDL und Einsatzleiterin des Besuchsdienstes
Tel.: 08541/206-171

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