Vorbereitung auf neue Leistungsgruppen: Warum das Medizincontrolling eine Schlüsselrolle bei der Umsetzung aktueller Reformvorgaben einnimmt

Teamarbeit im Medizincontrolling der Landkreis Passau Gesundheitseinrichtungen (v.l.): Leitung Henar Criado mit den Kodierfachkräften Astrid Wutschig, Claudia Binder, Anita Riesinger (sitzend) und Helga Neustifter.
Im Zuge der Krankenhausstrukturreform steht das Gesundheitswesen vor tiefgreifenden Veränderungen: neue Anforderungen, neue Wege der Finanzierung und die Einführung von Leistungsgruppen. Für Kliniken bedeutet das, ihre Versorgungsstrukturen neu zu denken und gleichzeitig wirtschaftlich stabil zu bleiben. Dafür sorgt das Medizincontrolling. Bei den Landkreis Passau Gesundheitseinrichtungen verantwortet Henar Criado diesen zentralen Bereich hinter den Kulissen. Im Interview spricht die leitende Medizincontrollerin mit Weiterbildung im Krankenhausmanagement über den Wandel ihres Berufsfelds, die Herausforderungen der Reform und warum präzise Kenntnisse der gesetzlichen Neuerungen derzeit wichtiger sind denn je.
Interview
Frau Criado, das Medizincontrolling wurde lange vor allem mit Abrechnung verbunden. Wie sieht Ihr Berufsbild heute aus?
Henar Criado: “Bisher lag der Schwerpunkt tatsächlich auf der Kodierung und Abrechnung von Behandlungsfällen, also auf der Erlös- und Liquiditätssicherung. Das machen wir auch weiterhin. Wir achten darauf, dass die Leistungen, die in unseren Kliniken erbracht wurden, auch vollständig und korrekt vergütet werden. Darüber hinaus bin ich als leitende Medizincontrollerin seit 2019 auch sehr stark in die strategische Krankenhaussteuerung eingebunden – insbesondere seit der Coronapandemie. Das bedeutet, dass ich Entwicklungen bewerte, vorhandene Strukturen überprüfe und Entscheidungsgrundlagen für die Leitungsebene liefere, die sowohl die medizinische Qualität als auch die Wirtschaftlichkeit betreffen. Das erfordert ein hohes Maß an Genauigkeit, Kommunikation sowie Fachkenntnis im Gesundheitsrecht.”
Wie wirkt sich die Krankenhausreform auf Ihre Arbeit aus?
Frau Criado: “Die Reform verändert viele Abläufe im Gesundheitswesen. Wir Medizincontroller begleiten diesen Prozess und behalten den Überblick, indem wir die Auswirkungen auf unsere Standorte analysieren, Anpassungsbedarf frühzeitig erkennen und gemeinsam mit den Fachabteilungen gegensteuern. Damit sorgt unsere Arbeit dafür, dass die wirtschaftliche Stabilität unserer drei Landkreiskliniken auch künftig gesichert bleibt. Eine besondere Herausforderung ist die Leistungsgruppenprüfung im Zuge der Reform.”
Was macht die Leistungsgruppenprüfung so herausfordernd?
Frau Criado: “Leistungsgruppen definieren, welche medizinischen Leistungen eine Klinik künftig anbieten darf. Sie sind an zahlreiche Qualitäts- und Strukturvorgaben geknüpft. Das Medizincontrolling prüft sehr genau, ob die dafür erforderlichen Voraussetzungen und Richtlinien an unseren Krankenhäusern erfüllt sind. Dazu gehören unter anderem die räumliche und technische Ausstattung, die personelle Besetzung, deren Erfahrung sowie bestimmte Mindestmengen an Behandlungen. Da sich die gesetzlichen Grundlagen derzeit sehr dynamisch entwickeln, ist das eine äußerst komplexe, aber entscheidende Aufgabe. Denn bei Nichterfüllung der geforderten Anforderungen bekommen wir unsere erbrachten Leistungen nicht mehr vergütet.”

Am Klinikstandort Rotthalmünster (v.l.): die Kodierfachkräfte Silvia Harant, Julia Ernst, Monika Koblbauer, Stefanie Probst und Monika Scheu.

Und am Klinikstandort Wegscheid gehört Chefarzt Johann Kienböck seit vielen Jahren zum Team des Medizincontrollings.
Wie bewältigen Sie diese enorme Arbeitsverdichtung in Ihrer Abteilung?
Frau Criado: “Das gelingt nur in sehr guter Zusammenarbeit. Ich habe an unseren drei Klinikstandorten ein tolles, hoch qualifiziertes Team in der Kodierung und Abrechnung hinter mir. Die Strukturprüfungen werden interdisziplinär und in enger Abstimmung mit Geschäftsführung, Krankenhausleitungen, Qualitätsmanagement, Pflegedienst und Technik durchgeführt. Das heutige Medizincontrolling ist nur durch gut abgestimmte Teamarbeit zu bewältigen.”

