Hilfe bei Schlafstörungen

Landkreis Passau GesundheitseinrichtungenAllgemein

Bei der Diagnose von Schlafstörungen hiflt ein Schlafapnoe-Screening. (Foto: Aenne Bauck/fotolia)

von Dr. med. Willibald Prügl, Chefarzt der Abteilung für Innere Medizin am Krankenhaus Wegscheid

Mittels Screening hilft das Krankenhaus Wegscheid bei Schlafapnoe

Jeder Vierte leidet unter Schlafstörungen - diese führen jedoch nicht nur zu Tagesmüdigkeit und fehlender Frische, auch schwerwiegende Krankheiten können die Folge sein. (Foto: Production Perig - fotolia.com)

Jeder Vierte leidet unter Schlafstörungen – diese führen jedoch nicht nur zu Tagesmüdigkeit und fehlender Frische, auch schwerwiegende Krankheiten können die Folge sein. (Foto: Production Perig – fotolia.com)

Etwa ein Viertel der Erwachsenen leidet unter Schlafstörungen. Laut Robert Koch-Institut gehören Schlafstörungen sogar zu den häufigsten Gesundheitsbeschwerden. Eine der Ursachen: Schlafapnoe. Bei Betroffenen kommt es im Schlaf immer wieder zu gefährlichen Atemaussetzern. Erholsamer Schlaf ist eine wichtige Voraussetzung für das menschliche Wohlbefinden. Doch nicht nur die uns allen bekannte Tagesmüdigkeit und fehlende Frische resultieren aus einer gestörten Schlafarchitektur. Zu den Folgen von Schlafstörungen zählen auch schwerwiegende Krankheiten, wie arterielle Hypertonie, Herzrhythmusstörungen und nicht zuletzt der – beim Autofahren lebensgefährliche – Sekundenschlaf.

Schlaf: Erholung in der Nacht

Während unseres Schlafes tauchen wir in verschieden Stadien ein. Die Schlaftiefe kann dabei durch Hirnstrommessungen festgestellt werden. So gelangen wir jede Nacht rund drei bis fünf Mal in das sog. Stadium 4, das Tiefschlafstadium. Dazwischen liegen einerseits leichte Stadien, andererseits eine weitere sehr wichtige Schlafphase, die REM-Schlafphase. In dieser Phase träumen wir meist sehr intensiv und verarbeiten dabei unsere Tageserlebnisse. Gelangen wir durch irgendwelche Störungen des Schlafes nicht zu ausreichendem REM- und Tiefschlaf, sind wir am nächsten Tag unausgeschlafen und reizbar. Sind solche Störungen dauerhaft, treten die oben aufgeführten Folgen wie Bluthochdruck, Herzrhythmusstörungen und Sekundenschlaf auf.

Diagnose: Schlafapnoe-Syndrom

Die häufigste Ursache des nicht erholsamen Schlafes ist das sog. obstruktive Schlafapnoe-Syndrom. Hierbei kommt es nach dem Eintreten eines leichten Schlafstadiums zu einer Erschlaffung der Schlundmuskulatur, wodurch die Zunge nach hinten fällt und die Atemwege verlegt werden. Dies löst im Körper eine Stressreaktion aus und Adrenalin wird freigesetzt. Dadurch spannt sich die Schlundmuskulatur wieder an und gibt die Atemwege frei. Vom Schlafpartner wird dies häufig als explosionsartiges Schnarchen wahrgenommen. Der Patient selbst bekommt von dem Ganzen nichts mit, da er ja schläft. Allerdings rutscht er aus einem tiefen in ein leichtes Schlafstadium, bzw. erreicht schlimmstenfalls nie ein tiefes Schlafstadium – mit den oben aufgeführten Folgen. Begünstigt wird die Verlegung der Atemwege durch Übergewicht und daraus resultierender Fetteinlagerung im Halsbereich.

Rund vier Millionen Betroffene

Bei der Diagnose von Schlafstörungen hiflt ein Schlafapnoe-Screening. (Foto: Aenne Bauck/fotolia)

Bei der Diagnose von Schlafstörungen hiflt ein Schlafapnoe-Screening. (Foto: Aenne Bauck/fotolia)

Mittlerweile leiden in Deutschland rund vier Millionen Patienten (9% aller Männer und 4% aller Frauen) an diesem Syndrom, wobei die Diagnose schwierig ist, da der Patient selbst die Erkrankung nicht oder nur indirekt wahrnimmt. Daher ist zur Diagnosestellung einerseits die Befragung des Partners wichtig, andererseits ein großzügiges Anwenden des sog. Schlafapnoe-Screenings. Bei solch einem Screening kann durch nächtliches Aufzeichnen des Atemflusses an der Nase und der Sauerstoffsättigung am Finger die Diagnose relativ sicher gestellt werden. Werden bei dem Verfahren auch die Atembewegungen am Bauch und an der Brust aufgezeichnet, kann erkannt werden, ob ein „totaler“ Ausfall der Atemtätigkeit (zentrales Schlafapnoe-Syndrom) oder lediglich eine Verlegung der Atemwege (obstruktives Schlafapnoe-Syndrom) vorliegt. Letzteres lässt sich sehr gut mit einer sog. CPAP-Maske therapieren, bei der durch kontinuierliches Lufteinblasen über die Nase die Zunge nach vorne gedrückt wird und somit die Atemwege freigehalten werden. Die Einstellung auf eine CPAP-Maskentherapie erfolgt in einem Schlaflabor.

Hilfe mittels Screening

Außerdem wird beim Schlafapnoe-Screening die Körperstellung gemessen, da beim alleinigen Auftreten der Atempause in der Rückenlage eine sog. Rückenlageverhinderungsweste eingesetzt werden kann, die den Patienten nur auf der Seite schlafen lässt – und somit die gefährlichen Atempausen in Rückenlage verhindert. Auch durch spezielle Zahnschienen ist eine erfolgreiche Therapie des obstruktiven Schlafapnoe-Syndroms möglich. Gelingt es, durch einer dieser Maßnahmen dem Patienten wieder ausreichend Tief- und Traumschlaf zukommen zu lassen, fühlt sich dieser häufig wie neugeboren, da er oft jahrelang das Gefühl des Ausgeschlafenseins nicht mehr erfahren hat. Genauso beeindruckend ist der positive Einfluss auf den Blutdruck und den Herzrhythmus. Häufig gelingt es durch diese Therapien die Anzahl und Dosis der Blutdruckmedikamente zu reduzieren. Außerdem hat ein ausgeschlafener Patient wesentlich mehr Energie für sportliche Betätigung und auch Freude an der körperlichen Bewegung, einem weiteren sehr wesentlichen Faktor für die Gesundheit.

zur medizinischen Fachabteilung