Förderung weiblicher Führungskräfte: Landkreis Passau Gesundheitseinrichtungen erhöhen Bewusstsein für Frauenkompetenz in ihrem Unternehmen

Großer Zuspruch: Zur Fortbildung im Gebäude der Zentralen Dienste kamen Führungskräfte aus dem gesamten Klinikverbund – darunter Geschäftsführung, Verwaltungsleitung, Pflegedirektion, ärztliche Direktion, Chefärzte, Stations- und Abteilungsleitungen.
Die Landkreis Passau Gesundheitseinrichtungen haben mit einer zweitägigen Fortbildung ein klares Zeichen für die Frauenpower in ihrem Unternehmen gesetzt. Im Fokus der Veranstaltung, an der neben Geschäftsführung und Krankenhausleitungen vor allem viele Mitarbeitende in Führungspositionen teilnahmen, stand der Stellenwert weiblicher Arbeitsleistung. Zugleich wurden erfolgreiche Strategien zur gezielten Förderung weiblicher Fach- und Führungskompetenz vorgestellt.
Chancengleichheit als Teil der Unternehmenskultur
Die gezielte Stärkung der bereits hohen Frauenkompetenz in unserem Klinikverbund ist von zentraler Bedeutung, da sie maßgeblich zur Weiterentwicklung unserer Unternehmenskultur beiträgt.Klaus Seitzinger, GeschäftsführungAngestoßen wurde das Thema von Henar Criado, seit über sieben Jahren Leiterin des Medizincontrollings der Landkreiskliniken, sowie von Dr. med. Claudia Döschner, Chefärztin der Zentralen Notaufnahme am Krankenhaus Rotthalmünster – und derzeit einzige Frau in der ärztlichen Führungsriege der drei Landkreiskliniken. “Gerade im Gesundheitswesen mit einem hohen Frauenanteil müssen wir uns fragen, warum dieser Anteil auf dem Weg nach oben zunehmend verloren geht”, betont Henar Criado.
Zusätzliche Aktualität erhielt die Diskussion durch einen kürzlich erschienenen Presseartikel mit dem Titel ‚Erstmals mehr Ärztinnen als Ärzte in Bayern‘. Dieser warf auch bei Kliniken-Geschäftsführer Josef Mader die zentrale Frage auf: “Wo sind diese Frauen in den Führungsstrukturen?”. Daher zeigten sowohl er als auch sein Geschäftsführer-Kollege Klaus Seitzinger große Offenheit für das Anliegen der Initiatorinnen.
Für die Fortbildung konnten die Kliniken mit Vera Steinhäuser eine erfahrene Referentin aus Wien gewinnen. Die Psychologin mit Schwerpunkt Coaching zeigte sich beeindruckt vom Engagement der Landkreis Passau Gesundheitseinrichtungen: “Ich war noch nie in einem Krankenhausbetrieb und bin positiv überrascht, wie offen und strukturiert man sich hier diesem Thema widmet”. Dabei ging es um Fragen zur gezielten Unterstützung von Frauen auf dem Weg in verantwortungsvolle Führungspositionen sowie zu den Rahmenbedingungen, die notwendig sind, damit sie dort auch möglichst lange bleiben können.
In gemeinsamer Gruppenarbeit wurde die gesellschaftliche Dimension besprochen: “Trotz breiter Akzeptanz von Gleichberechtigung wirken traditionelle Rollenbilder weiterhin stark – insbesondere im beruflichen Alltag”, resümiert die Referentin. Begriffe wie Familienmanagement, mehr Teilzeit oder unbezahlte Care-Arbeit verdeutlichten ebenso bestehende Hürden wie ein Arbeitsmarkt, in dem sich deutlich mehr Männer auf Führungspositionen bewerben.
Aus Projektgruppe wird ein Frauennetzwerk

1. Ansprechpartnerin Henar Criado, Leitung Medizincontrolling (rechts) und ihre Stellvertretung Dr. Claudia Döschner, ZNA-Chefärztin Klinik Rotthalmünster (Bild links).
Teil der Fortbildung war ein Workshop exklusiv für weibliche Leitungsfunktionen, um konkrete Ansätze zur Förderung der Frauenkompetenz in den Kliniken zu entwickeln. Die 17 Teilnehmerinnen aus verschiedensten Berufsgruppen setzten sich auch ein langfristiges Ziel: “Wir werden künftig regelmäßig zusammenkommen, um frauenspezifische Anliegen und Perspektiven strukturiert zu bündeln und in den Dialog mit der – überwiegend männlich besetzten – obersten Leitungsetage einzubringen”, erklärt Initiatorin Henar Criado.
Konkret gehe es darum, ein Frauennetzwerk aufzubauen – ein “Sprachrohr” für alle Mitarbeiterinnen im Unternehmen. Sie erklärt weiter: “Jede Kollegin kann sich an uns wenden, auf Wunsch natürlich auf vertraulicher und anonymer Basis.” Wichtig sei, dass das Frauennetzwerk nicht als “Gegenpol” angesehen werde, sondern als Ergänzung zu bestehenden Führungs- und Entscheidungsstrukturen. Der konstruktive Austausch soll dazu beitragen, Führung vielfältiger zu denken, Kompetenzen sichtbarer zu machen und die Chancengleichheit im Unternehmen weiter auszubauen, wie Frauen-Ansprechpartnerin zusammenfasst.

