Volkskrankheit Divertikulitis

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Die Divertikulitis, eine Entzündung von Ausstülpungen an der Darmschleimhaut, wird immer häufiger Grund für eine stationäre Behandlung im Krankenhaus. (Foto: underdogstudios - fotolia.com)

von Dr. med. Markus Bruha, Chefarzt der Abteilung Allgemein- und Visceralchirurgie/Proktologie am Krankenhaus Rotthalmünster

Divertikel, Ausstülpungen an der Darmschleimhaut, sind meist harmlos. Entzünden sie sich jedoch, kann das zu starken Beschwerden führen. Immer häufiger wird eine Entzündung der Divertikel, die Divertikulitis, Grund für eine stationäre Aufnahme und Behandlung im Krankenhaus. Diese Entwicklung steht auch in Zusammenhang mit der zunehmenden Alterung unserer Bevölkerung, denn besonders bei älteren Menschen treten gehäuft Divertikel auf.

Die Divertikulitis, eine Entzündung von Ausstülpungen an der Darmschleimhaut, wird immer häufiger Grund für eine stationäre Behandlung im Krankenhaus. (Foto: underdogstudios - fotolia.com)

Die Divertikulitis, eine Entzündung von Ausstülpungen an der Darmschleimhaut, wird immer häufiger Grund für eine stationäre Behandlung im Krankenhaus. (Foto: underdogstudios – fotolia.com)

Was ist eine Divertikulitis?

Divertikel, Ausstülpungen der Darmschleimhaut, treten überwiegend im Bereich des Dickdarms auf. Meist sind Patienten zwischen 60 und 80 Jahren davon betroffen, aber auch bei jüngeren Menschen findet man derartige Ausstülpungen zunehmend häufig. Die Ursachen der Divertikelerkrankungen sind noch nicht sicher geklärt. Als wahrscheinlich gilt, dass ein Druckanstieg im Darm dafür verantwortlich ist. Das erklärt, dass die Ausstülpungen vor allem im linken Dickdarm entstehen, wo die höchsten Druckverhältnisse herrschen. Aufgrund des hohen Drucks kommt es zur Ausstülpung von Darmwandanteilen und es resultieren die sog. Divertikel. Das reine Vorhandensein von Divertikeln nennt man Divertikulose. Diese ist an sich harmlos und bedarf bei rund Dreiviertel aller Patienten keiner Behandlung. Manche Patienten haben allerdings Schmerzen im Bereich der Divertikel ohne Entzündungszeichen. Hier wird es schwierig, das sog. Reizdarmsyndrom von der Divertikulose abzugrenzen.

Entzünden sich die Divertikel jedoch, spricht man von einer Divertikulitis. Rund 60.000 stationäre Behandlungsfälle müssen in Deutschland deshalb jedes Jahr durchgeführt werden. Bei einer Divertikulitis wird zwischen einer unkomplizierten und einer komplizierten Divertikulitis unterschieden. Die unkomplizierte Divertikulitis ist „lediglich“ eine Darmwandentzündung, die sich mit einer antibiotischen Therapie behandeln lässt. Nur schwerere Fälle müssen stationär behandelt werden. Die komplizierte Divertikulitis hingegen ist eine schwerwiegendere Form der Entzündung und kann als Akut-Komplikation das Platzen des Darmes, eine Abszessbildung oder eine schwere Bauchfellentzündung auslösen. Längerfristige Folgen sind Fistelbildungen (z.B. in die Blase), Darmwandverengungen bei immer wiederkehrenden Entzündungen oder Divertikelblutungen.

Diagnostiziert wird eine Divertikulitis zum einem an Hand des Untersuchungsbefundes, zum anderen mit Hilfe einer Ultraschalluntersuchung oder einer Computertomographie des Bauches. Letztere ist hierbei im Vorteil, da gleichzeitig auch alle anderen im Bauch gelegenen Organe „mituntersucht“ werden. Eine Darmspiegelung verbietet sich im Akutstadium der Divertikulitis, da hier die Darmwand entzündlich aufgeweicht ist und es im Rahmen einer Darmspiegelung zu Darmwanddurchstoßungen kommen kann. Die Schwere der Divertikulitiserkrankung ist mitunter recht schwierig abzuschätzen, bei schwereren Krankheitsverläufen ist meist eine kurzzeitige stationäre Behandlung notwendig. Je nach Krankheitsausprägung variiert hier die Therapie zwischen kurzfristiger Nahrungskarenz bis hin zu einer Operation.

Wann muss eine Divertikelerkrankung operiert werden?

An den Krankenhäusern Rotthalmünster, Vilshofen und Wegscheid wird die Divertikulitis nach neuesten Leitlinien behandelt und die Therapie individuell an den einzelnen Patienten angepasst. So werden ältere oder kranke Patienten mit mehreren Begleiterkrankungen eher der nicht-operativen Therapie zugeführt, sprich mit Infusionen und Antibiotikatherapie behandelt. Schwerere Verläufe mit Darmperforationen oder Abszessbildungen im Bauch müssen selbstverständlich auch bei älteren und schwerkranken Patienten sofort operiert werden.

Hier ist eine grundsätzliche Unterscheidung notwendig, ob der Patient lebensgefährlich erkrankt ist und eine freie Darmperforation vorliegt. Diese Fälle müssen alle und sofort operiert werden. Bei derart schweren Divertikulitisverläufen muss in der ersten Operation zudem oftmals ein künstlicher Ausgang angelegt werden. Fälle mit Eiteransammlungen im Bauch können manchmal zunächst über eine Punktionstherapie (z.B. CT-gesteuerte Punktion eines Bauchabszesses) vorbehandelt werden. Nach Abheilen des Abszesses gelingt dann oftmals eine für den Patienten weniger gefährliche minimalinvasive Operation. Dabei wird der divertikeltragende Anteil des Dickdarms entfernt und eine neue Darmverbindung im gesunden Darmbereich angelegt. Hierin liegt auch die Hauptkomplikation dieser Operation – egal ob offen oder minimalinvasiv durchgeführt. Kommt es im Rahmen der Neuverbindung zu einer Undichtigkeit, muss auch hier ein künstlicher Ausgang als Schutz für die neue Darmverbindung angelegt werden. Insgesamt sind derartige Darmnahtundichtigkeiten aber relativ selten (3 bis 5%).

Eine ballaststoffreiche Ernährung kann einer Divertikelerkrankung vorbeugen. (Foto: PhotoSG - fotolia.com)

Eine ballaststoffreiche Ernährung kann einer Divertikelerkrankung vorbeugen. (Foto: PhotoSG – fotolia.com)

Die behandelnden Ärzte machen es sich nicht leicht, zu entscheiden, welchem Patienten sie zu einer Operation raten. Auch eine geplante Operation im entzündungsfreien Intervall kann unter Umständen schwerwiegende, im Extremfall sogar tödliche Komplikationen haben. In manchen Fällen ist eine Operation allerdings unumgänglich, insbesondere bei einer komplizierten Divertikulitis mit Fistelung in die Harnblase bzw. die Verengung des Darms bis hin zum Darmverschluss. Auch Patienten mit unterdrücktem Immunsystem, zum Beispiel bei Rheumaerkrankungen oder nach Organtransplantationen, werden eher operiert, da diese aufgrund der Grunderkrankung ein höheres Risiko einer lebensgefährlichen Infektion tragen.

An unseren Krankenhäusern werden vor, während und nach der Operation die modernsten Verfahren durchgeführt. Hierzu zählen die stadiengerechte Therapie der Divertikelkrankheit, ein rasches Wiederaufbauen der Ernährung oder die frühzeitige Mobilisation. Eine Indikation zur Operation wird zudem in enger Zusammenarbeit mit der internistischen und radiologischen Fachabteilung gestellt.

Was kann man nun tun, um eine Diverticulose bzw. das Auftreten einer Diverticulitis zu verhindern?

Wer einer Divertikelerkrankung vorbeugen möchte, sollte sich aktuellen Studien zufolge ballaststoffreich ernähren. Hierzu zählen Lebensmittel wie faserreiches Obst, Gemüse, Hülsenfrüchte oder Brot. Auch der zurückhaltende Konsum von rotem Fleisch und fettreicher Nahrung kann die Bildung von Divertikeln etwas aufhalten. Weitere Empfehlungen sind eher allgemeiner Art im Sinne der gesunden Lebensweise: So sind regelmäßige Bewegung, ein moderater Alkoholgenuss und der Verzicht auf Nikotin förderlich.

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