Im Notfall stehen erfahrene Profis bereit

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Am Krankenhaus Vilshofen üben  Ärzte und Helfer jährlich für den Ernstfall

Bei Unfällen mit Schwerstverletzten oder mehreren Betroffenen zählt jede Sekunde. Jeder Handgriff von Ärzten und Helfern muss sitzen. Um im Notfall bestens vorbereitet zu sein, fand kürzlich am Krankenhaus Vilshofen eine spezielle Schockraum-Fortbildung statt. Dabei widmeten sich die beteiligten Fachdisziplinen aus Anästhesie, Chirurgie, Allgemeinchirurgie, Unfallchirurgie, Intensivstationen und Notaufnahmen der Schwerstverletztenbehandlung im Schockraum nach den sog. Trauma-Algorithmen und der neu erstellten Alarmplanung bei einem Massenanfall von Verletzten (kurz MANV).

NUR AUFGEMALT: Die Wunden sehen täuschend echt aus, sind aber vom BRK inszeniert.

NUR AUFGEMALT: Die Wunden sehen täuschend echt aus, sind aber vom BRK inszeniert.

Der Organisator Oberarzt Dr. Wolfgang Stuchlik eröffnete die Schulung mit rund 35 Teilnehmern mit einem Kurzvortrag über die Schwerstverletztenbehandlung inklusive zweier Fallbeispiele aus der jüngsten Vergangenheit. Danach lieferte Oberarzt Dr. Gerald Moser einen spannenden Beitrag zum sog. traumatischen Schock, Erkennung und Erstbehandlung in der Notaufnahme. Den theoretischen Teil schlossen Dr. Stuchlik und Robert Grübl (Qualitätsmanagement) gemeinsam mit einer Vorstellung des aktuellen MANV-Alarmplans des Krankenhaus Vilshofen ab. Sie sprachen mögliche Szenarien von Busunglück über Massenpanik bei Großveranstaltungen bis zu Terror-Anschlägen durch und erläuterten konkrete Möglichkeiten der Erstbehandlung und Alarmplanung im Krankenhaus Vilshofen.

Von der Theorie ging es dann direkt zur Praxis: Nach den Vorträgen wurden die Teilnehmer in drei Gruppen eingeteilt, um praktische Übungen in der Notaufnahme und im Aufwachraum durchzuführen. Pascal Reichmeier stellte sich freiwillig als Verletzter eines Motorradunfalls zur Verfügung und wurde täuschend echt mit mehreren geschminkten Wunden und offenen Brüchen in Szene gesetzt. Die Schminkarbeit übernahm Katharina Fröhler von der Station 6, die u.a. als professionelle Schminkerin beim Bayerischen Roten Kreuz tätig ist. Der optisch Schwerverletzte wurde dann von der Rettungswache Vilshofen erstbehandelt und im Schockraum medizinisch versorgt.

NUR AUFGEMALT: Schnelle Versorgung von Schwerverletzten unter nahezu realen Bedingungen.

NUR AUFGEMALT: Schnelle Versorgung von Schwerverletzten unter nahezu realen Bedingungen.

Zeitgleich führte Dr. Ulrich Baumgartner von der internistischen Abteilung Notfall-Ultraschall-Diagnostik mit der zweiten Gruppe ein „Kurzpraktikum“ in der Notaufnahme durch, das sich vor allem an die diensthabenden Ärzte der chirurgischen Abteilungen richtete. Im Aufwachraum absolvierte die Anästhesie-Abteilung, vertreten durch Dr. Susanne Fischer und Bernhard Alls, mit der dritten Gruppe praktische Übungen zur Atemwegssicherung.

Abschließend zog Dr. Stuchlik ein positives Resümee aus der rundum erfolgreichen Veranstaltung. Insbesondere die praktischen Übungen waren mehr als zielführend. Theoretisch kann jederzeit ein Massenanfall von Verletzten auf ein Krankenhaus wie Vilshofen zukommen. Darum ist es umso wichtiger, die Maßnahmen zur medizinischen Sofortversorgung stetig zu optimieren.

Hintergrund

Begriffsklärung: „Massenanfall von Verletzten“

Ein Massenanfall von Verletzten (MANV) ist ein Notfall mit einer größeren Anzahl von Verletzten oder Erkrankten sowie anderen Geschädigten oder Betroffenen, der mit der vorhandenen und einsetzbaren Vorhaltung des Rettungsdienstes aus dem Rettungsdienstbereich nicht bewältigt werden kann (wie zum Beispiel bei Zugunglück, Attentaten oder Seuchen der Fall). Diese Ausnahmesituationen stellen einen Grenzbereich zwischen der Notfallmedizin und der Katastrophenmedizin dar.