Neue Therapien bei seelischen Erkrankungen

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Vorreiter in der Region: Psychosomatische Klinik in Wegscheid setzt auf technikgestütztes EMDR und Biofeedback

Gehen neue Wege in der Behandlungstechnik: Psychosomatik-Chefarzt Dr. Filip Radojevic (l.) und Psychologe Karl Möginger.

Die Psychosomatische Klinik Südostbayern am Krankenhaus Wegscheid bietet zwei neue wissenschaftlich etablierte Therapieverfahren an: die gerätegestützte EMDR und Biofeedback. Die stationären Angebote ergänzen das breite therapeutische Spektrum der Fachklinik. Sie kommen, je nach Krankheitsbild, bei unterschiedlichen psychosomatischen Erkrankungen wie Traumafolgen, Angststörungen oder Depressionen zum Einsatz.

Traumatherapie mit EMDR

EMDR steht für “Eye Movement Desensitization and Reprocessing” und bedeutet “Desensibilisierung und Verarbeitung durch Augenbewegungen“, erklärt Chefarzt Dr. med. Filip Radojevic. Dabei handele es sich um ein anerkanntes psychotherapeutisches Verfahren zur Behandlung von Traumafolgestörungen, wie beispielsweise nach Unfällen oder Schicksalsschlägen.

Psychologe Karl Möginger bei der Arbeit mit der neuen EMDR-Technik in Wegscheid: Lichtbalken, Pulsatoren (in den Händen) und Kopfhörer ermöglichen eine Stimulation über drei Sinneskanäle.

Vorteile der neuen Behandlungstechnik

Während die bilaterale Stimulation beim klassischen EMDR häufig durch handgeführte Augenbewegungen erfolgt, kommt in Wegscheid eine moderne technische Ausstattung zum Einsatz. Das System mit EMDR-Lichtbalken, Pulsatoren und Kopfhörern ermöglicht eine visuelle, taktile sowie auditive Stimulation. “Mit dieser technischen Ausstattung gehen wir neue Wege und können die Behandlung über verschiedene Sinneskanäle unterstützen”, so Dr. Radojevic.

Ziel der Therapie

Der Facharzt für Psychiatrie und Psychotherapie beschreibt das Therapieziel: “Wir wollen belastende Erinnerungen so verarbeiten, dass sie im Alltag nicht mehr als problematisch erlebt werden”. Ob und wann EMDR eingesetzt werden kann, hänge unter anderem von der Komplexität des Problems ab. Häufig stehe vor der eigentlichen Traumabearbeitung zunächst die psychische Stabilisierung im Vordergrund. “Wir verfügen über ein sehr erfahrenes Therapeutenteam, das die Patienten entsprechend ihren individuellen Bedürfnissen und Krankheitsbildern umfassend begleitet”, sagt Dr. Radojevic.

Biofeedback: So funktioniert die Therapie

Dabei messen Sensoren körperliche Parameter wie Atmung, Herzfrequenz oder Blutdruck. “Die Patienten können ihre Werte bewusst am Bildschirm verfolgen”, so der erfahrene Psychiater. Ziel der Therapie sei es, ein Bewusstsein für die inneren Zustände zu entwickeln und die eigene Selbstregulation zu stärken. “Die direkte Rückmeldung zeigt den Patienten, welche Gedanken, Atem- oder Entspannungstechniken den Körper beruhigen können. So lernen sie Schritt für Schritt, ihre Beschwerden positiv zu beeinflussen”, fasst Dr. Radojevic zusammen. Sowohl EMDR als auch Biofeedback sind Teil des ganzheitlichen stationären Behandlungskonzepts der Psychosomatik in Wegscheid. Die Kosten dafür werden von den gesetzlichen und privaten Krankenkassen übernommen.

Traumatische Erlebnisse verarbeitet jeder Mensch anders.Karl Möginger, Klinischer Psychologe

Auch Neurofeedback in Planung

Perspektivisch soll das therapeutische Angebot noch weiter ausgebaut werden. “Als nächsten Schritt planen wir die Erweiterung um Neurofeedback, das unter anderem bei ADHS-Patienten eingesetzt werden kann. Damit würden wir unser bestehendes Behandlungsangebot sinnvoll ergänzen und konsequent weiterentwickeln”, kündigt Chefarzt Dr. Radojevic an.

Experten-Interview

Traumafolgen und Therapiemöglichkeiten

Karl Möginger (59), Klinischer Psychologe in der psychosomatischen Klinik in Wegscheid, beschäftigt sich seit vielen Jahren intensiv mit modernen psychotherapeutischen und neuropsychologischen Behandlungsmethoden. Sein fachlicher Schwerpunkt liegt auf der Traumatherapie mit EMDR, Biofeedback sowie Neurofeedback. Außerdem steht er kurz vor dem Abschluss der Approbationsweiterbildung zum Psychologischen Psychotherapeuten mit Schwerpunkt Verhaltenstherapie. 

Im Interview gibt der berufserfahrene Experte Einblicke in die Behandlung von Traumafolgen und erläutert die Einsatzmöglichkeiten der beiden Therapieverfahren.

Karl Möginger: “Traumatische Erfahrungen entstehen immer dann, wenn ein Mensch eine Situation als existenziell bedrohlich erlebt und sich dabei hilflos, schutzlos oder ausgeliefert fühlt. Dazu gehören beispielsweise schwere Unfälle, körperliche oder sexuelle Gewalt, Kriegserlebnisse, Naturkatastrophen oder der plötzliche Tod eines nahestehenden Menschen oder eines Tieres. Aber auch langanhaltende emotionale Vernachlässigung oder belastende Erfahrungen in der Kindheit können tiefe psychische Spuren hinterlassen. Entscheidend ist dabei weniger das Ereignis selbst als die individuelle Verarbeitung des Erlebten.”

Karl Möginger: “Professionelle Behandlung ist sinnvoll, wenn Beschwerden über mehrere Wochen anhalten oder die Alltagsbewältigung deutlich beeinträchtigen. Warnzeichen können wiederkehrende belastende Erinnerungen, Albträume, starke innere Anspannung, Ängste, Schlafstörungen, Vermeidungsverhalten, Schwierigkeiten in Beruf, Familie oder sozialer Rückzug sein. Je früher eine Behandlung beginnt, desto besser sind in vielen Fällen die Behandlungsaussichten.”

Karl Möginger: “Viele erleben erstmals, wie eng Körper und Psyche miteinander verbunden sind. Sie erleben in Echtzeit, wie sich Stress oder Entspannung unmittelbar in Körperfunktionen wie Herzfrequenz, Atmung oder Muskelspannung widerspiegeln. Besonders beeindruckend ist für viele die Erfahrung, dass sie mit gezielten Übungen lernen können, diese körperlichen Reaktionen aktiv zu beeinflussen. Das stärkt das Vertrauen in die eigenen Fähigkeiten.”

Karl Möginger: “Die stationäre psychosomatische Behandlung bietet einen geschützten Rahmen für Stabilisierung und intensive therapeutische Hilfe. EMDR unterstützt die Verarbeitung belastender oder traumatischer Erinnerungen und kann helfen, deren emotionale Belastung nachhaltig zu reduzieren. Biofeedback vermittelt dagegen konkrete Strategien zur Regulation von Stress und körperlicher Anspannung. Beide Verfahren fördern die Selbstregulation und ergänzen das ganzheitliche psychosomatische Behandlungskonzept in Wegscheid sinnvoll.”

Zur Psychosomatischen Klinik Südostbayern Wegscheid / Passau
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