Depression: Die stigmatisierte Volkskrankheit

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Depression

Viele Betroffene wissen gar nicht, dass sie krank sind. Aufklärung und Hilfe bietet die Psychosomatische Klinik Südostbayern mit Standorten in Passau und Wegscheid.

Vier Millionen Menschen in Deutschland leiden an Depressionen. Tendenz steigend: Ab dem Jahr 2030, so schätzt die Weltgesundheitsorganisation, wird die Depression das häufigste Leiden weltweit sein, noch vor Herz-/ Kreislauferkrankungen, Diabetes oder Krebs.

Dr. reshteye pezeshki Uni. Shahid Baheshti Zohreh Majd, Leitende Oberärztin der Psychosomatischen Klinik Südostbayern

Dr. reshteye pezeshki Uni. Shahid Baheshti Zohreh Majd, Leitende Oberärztin der Psychosomatischen Klinik Südostbayern

Jeder Mensch ist ab und zu mal lustlos, traurig oder energielos. Dies sind kurze Phasen, die zum normalen Leben gehören. Bei Menschen mit einer Depression sieht es jedoch ganz anders aus. Die Phasen der Traurigkeit, Erschöpfung und Freudlosigkeit dauern länger an und/oder zeigen sich sehr oft. Betroffenen fällt es schwer, den Alltag zu bewältigen, berufliche Anforderungen zu erfüllen oder privaten Pflichten nachzugehen. Sogar kleine Aufgaben im Haushalt können dann sehr mühsam werden.

Symptome

Depressive Patienten leiden an einer gedrückten Stimmung. Sie befinden sich in einem emotionalen Tief, aus dem sie oft allein nicht rauskommen. Weitere Symptome einer Depression sind u.a.:

  • Schwermut und Lustlosigkeit, sogar an Aktivitäten, die zuvor Freude bereitet haben
  • Vermindertes Selbstwertgefühl und  Selbstvertrauen
  • Schuldgefühl und ständiges Grübeln
  • Verminderte Konzentration
  • Teilnahme- und Empfindungslosigkeit, starke innere Leere
  • Neigung zu Rückzug von Angehörigen und Freunden
  • Hoffnungslosigkeit und Zukunftsängste, alles scheint sinnlos zu sein
  • Schlafstörungen (in den seltenen Fällen erhöhte Schlafzeiten)
  • Appetitlosigkeit (in den seltenen Fällen gesteigerter Appetit)
  • Gewichtsverlust oder -zunahme
  • Sexuelle Lustlosigkeit
  • Morgen- oder Abendtief
  • Gedanken an den Tod
  • Psychosomatische Störungen wie erhöhte Schmerzempfindlichkeit, Magen-Darmbeschwerden

Bei der schwergradigen depressiven Störung können auch Wahnideen, Halluzinationen oder ein Stupor (völlige Erstarrung) auftreten.

Diagnostik

Ein wesentliches Merkmal einer klinischen Depression ist das langfristige Fortbestehen der depressiven Kernsymptome. Davon spricht man, wenn sie mindestens zwei Wochen lang klinisch bedeutsam vorliegen und das normale Befinden deutlich verändern. Die Kriterien einer Depression erfordern neben den Hauptsymptomen wie Niedergeschlagenheit oder Traurigkeit, Verlust von Interesse und Freude auch das Vorliegen einer Reihe weiterer Symptome. Neben den genannten sind zumindest einige weitere Symptome körperlicher, affektiver, kognitiver und verhaltensbezogener Art erforderlich, um eine depressive Episode nach ICD (International Statistical Classification of Diseases) zu diagnostizieren. Hierzu gehören zum Beispiel Störungen von Appetit und Gewicht, Schlafstörungen, psychomotorische Störungen, Verlust des Selbstwertgefühls, Konzentrationsstörungen und suizidales Verhalten.

Depressive Menschen befinden sich in einem seelischen Dauertief, aus dem sie meist allein nicht mehr herausfinden. (Foto: Photographee.eu/fotolia.com)

Depressive Menschen befinden sich in einem seelischen Dauertief, aus dem sie meist allein nicht mehr herausfinden. (Foto: Photographee.eu/fotolia.com)

Ursachen und Risikofaktoren

Eine Depression kann in jedem Alter und in unterschiedlichen Lebenssituationen auftreten. Bei der Entstehung der Depression ist stets von einem multifaktoriellen Geschehen auszugehen. Faktoren, die eine wichtige Rolle spielen können, sind genetische Faktoren (eine familiäre Häufung gilt als gut belegt), neurobiologische Faktoren im Gehirn (veränderte Funktion der Botenstoffe wie Serotonin und Noradrenalin) sowie hormonelle Veränderungen (z. B. dauerhafte Ausschüttung von Stresshormonen), psychische Faktoren (z. B. kognitive Defizite, wobei pessimistische Ansichten von sich selbst, der Umwelt und der Zukunft in Verbindung mit einer negativen Überzeugung stehen), soziale Faktoren (z. B. Arbeitslosigkeit, Beziehungsprobleme), Persönlichkeitsfaktoren (z. B. Melancholie), frühere psychische Störungen sowie körperliche Erkrankungen.

Verlauf und Therapie

Auf gut 40 Seiten des Berichts vom Robert Koch Institut zum Thema Depressive Erkrankungen wird ausgeführt, dass bis zu 80 Prozent der depressiven Patienten weitere depressive Episoden in den nachfolgenden Jahren erleben werden. Bei 15 bis 30 Prozent aller Patienten wird davon ausgegangen, dass sich eine chronische Depression entwickelt, die zwei Jahre oder länger andauern kann. Im Verlauf von 20 Jahren erleiden Patienten durchschnittlich fünf bis sechs depressive Episoden.

Unter Einsatz einer adäquaten Therapie mindert sich die Schwere und verkürzt sich die Dauer von Symptomen deutlich.

  1. Medikamentöse Behandlung

Die durchschnittliche Rate der Patienten, die positiv auf eine Medikation ansprechen, liegt bei 50 bis 75 Prozent. Die verschiedenen Antidepressiva unterscheiden sich hinsichtlich ihres Wirkungsprofils. So können sie neben einer stimmungsaufhellenden Wirkung auch antriebssteigernde, antriebsneutrale oder antriebsdämpfende sowie beruhigende und angstlösende Wirkungen entfalten. Patienten befürchten öfters, von Medikamenten abhängig zu werden. Diese Angst ist jedoch unbegründet. Die volle Wirkung der Medikation entfaltet sich erst nach einigen Tagen bis Wochen kontinuierlicher Einnahme. Um eventuelle Nebenwirkungen feststellen und eine rechtzeitige Anpassung vornehmen zu können, sollte die Gabe von Antidepressiva unter engmaschiger Beobachtung des behandelnden Arztes stehen.

  1. Psychotherapie

Neben den Antidepressiva sind psychotherapeutische Behandlungen die Verfahren der ersten Wahl. Nach dem Aufbau einer vertrauensvollen Beziehung zwischen dem Behandelnden und dem Betroffenen werden in spezialisierten Einrichtungen wie der Psychosomatischen Klinik Südostbayern schrittweise entsprechende Therapieziele vereinbart. Ferner wird eine Vielzahl einfacher psychotherapeutischer Techniken (z. B. Tagesstrukturierung und Aufbau sozialer Aktivitäten) wie auch komplexerer Techniken (z. B. kognitive Umstrukturierung dysfunktionaler Denk- und Einstellungsmuster) eingesetzt.

  1. Unterstützende Maßnahmen

Je nach Art und Schwere der Depression können auch weitere Maßnahmen einen positiven Effekt haben. Hierzu zählen beispielsweise die Schlafentzugstherapie (partiell oder total unter kontrollierten Bedingungen) und die Lichttherapie (dabei sitzen die Patienten eine halbe Stunde bis zwei Stunden vor einem hellen Bildschirm).

Rehabilitation

Häufig nehmen Depressionen wiederkehrende oder chronische Verläufe, welche zu einer eingeschränkten Lebensweise der Betroffenen führen. Die Behandlung der Erkrankung sollte sich deshalb nicht auf die akute Phase beschränken, sondern schließt die langfristige Perspektive mit ein. Im Rahmen der Behandlung lässt sich dies in Rehabilitationseinrichtungen verwirklichen.

Prävention

Die Prävention einer depressiven Störung erfolgt idealerweise im Sinne der primären Prävention, d.h. die Risikofaktoren verhindern sowie entsprechende Fähigkeiten stärken und fördern, die ein Mensch braucht, um erfolgreich mit belastenden Lebensumständen und Stress umgehen zu können. Sekundär präventive Maßnahmen sind auf das Vermeiden einer chronischen Erkrankung ausgerichtet. Dies kann durch frühzeitige Diagnosestellung und Therapie in einer spezialisierten Einrichtung erreicht werden. Ziel der tertiären Prävention ist es, einen Rückfall nach der Genesung zu vermeiden.

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