Angina pectoris: Warum das Herz schwächelt

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Interventionelle Kardiologie am Krankenhaus Rotthalmünster: Hinter Angina pectoris-Beschwerden kann eine Fehlfunktion der kleinsten Blutgefäße im Herzmuskel stecken. Erweiterte Druckdraht-Messung deckt genaue Ursache für Herzleiden auf.

Bei Schmerzen im Brustkorb mit Enge- und Druckgefühl, auch als Angina pectoris bezeichnet, liegt als erstes der Verdacht auf eine koronare Herzkrankheit nahe – eine Gefäßerkrankung der großen Herzarterien. Sind jedoch keine Engstellen an den sog. Herzkranzgefäßen vorhanden, bedeutet dies nicht, dass der Blutfluss nicht an anderer Stelle behindert wird.

(Foto: Africa Studio/Adobe Stock)

Es gibt auch am Herzen eine Verbindung zwischen den Arterien und den Venen, auch diese kann durch Erkrankungen von Veränderungen betroffen sein und ähnliche Beschwerden verursachen: Man nennt solche Gefäßprobleme zwischen den Koronargefäßen auch koronare mikrovaskuläre Dysfunktion. Im Herzkatheterlabor am Krankenhaus Rotthalmünster, als erste Fachabteilung in Niederbayern, können diese Erkrankungen mithilfe moderner Mess-Systeme bereits seit über einem Jahr zuverlässig und schnell diagnostiziert werden.

 

Was ist eine koronare mikrovaskuläre Dysfunktion (KMD)?

“Unter diesem komplizierten Begriff versteht man Durchblutungsstörungen in der Mikrozirkulation, also in den kleinsten Blutgefäßen des Herzens”, erklärt Dr. med. Christian Meyer, Chefarzt der Interventionellen Kardiologie an den Krankenhäusern Rotthalmünster und Vilshofen. Diese kleinen Mikrogefäße verteilen das sauerstoffreiche Blut gleichmäßig im Herzmuskel. “Bei Vorliegen der Dysfunktion ist hier entweder der Blut-Zustrom oder der Blut-Abstrom behindert, was beispielsweise zu Problemen führt, wenn der Herzmuskel bei körperlicher Anstrengung mehr Sauerstoff benötigt”, so der Chefarzt weiter. In der Folge kommt es, ebenso wie bei einer koronaren Herzkrankheit (KHK), zu einer Unterversorgung des Herzmuskels mit Blut und damit Sauerstoff, was zu einem Herzinfarkt und zur Herzschwäche führen kann.

Außer Angina pectoris, welche Symptome treten noch auf?

Häufig berichten Patienten bei körperlicher Anstrengung neben Brustschmerzen und Beklemmung über Atemnot, die nach der Belastung meist wieder abklingt.Dr. Christian Meyer, Chefarzt der Interventionellen Kardiologie

Trotz alledem kann das Gefühl von Erschöpfung und Ermüdung bleiben. Das Problem: Dies sind auch die typischen Beschwerden einer koronaren Herzerkrankung und der Herzschwäche. Es gibt somit kein erstes Indiz für die KMD. Man muss immer daran denken, insbesondere, wenn die Beschwerden auf Angina pectoris und Herzschwäche hinweisen, aber in der herkömmlichen Herzkatheteruntersuchung keine erklärenden Engstellen nachweisbar sind. Natürlich kann das Vorhandensein einer KMD auch eine Begründung dafür sein, dass Beschwerden auch nach einer Stent-Implantation immer noch da sind.

Für wen besteht ein erhöhtes Risiko?

Das Risiko steigt generell mit dem Alter an. Weitere Risikofaktoren sind beispielsweise Rauchen, Bluthochdruck, starkes Übergewicht, hohe Cholesterinwerte, Diabetes oder Fettstoffwechselstörungen. Außerdem scheinen Frauen häufiger betroffen zu sein, insbesondere im Hinblick auf schwerwiegende ungünstige Verläufe.

Wie wird eine KMD diagnostiziert?

Deutet eine Belastungsuntersuchung auf eine verringerte Durchblutung des Herzens hin, wird meist anhand einer Herzkatheteruntersuchung geprüft, ob Engstellen in den größeren Herzkranzgefäßen vorhanden sind, die beispielsweise mit einem Stent geweitet werden können. “Sind keine Verengungen erkennbar, erfolgt bei uns zur weiteren Abklärung eine genaue Diagnostik der Mikrozirkulation”, informiert Chefarzt Dr. Meyer und ergänzt: “Wir verwenden die Methode, die in den Leitlinien der Europäischen Gesellschaft für Kardiologie empfohlen wird.”

Dabei handelt es sich um die erweiterte Druckdraht-Messung zur Erfassung der koronaren Flussreserve (CFR) und des mikrovaskulären Widerstandsindex (IMR). Die CFR gibt an, wie die Versorgung des Herzens mit Blut und Sauerstoff bei Aktivität ist. Der IMR gibt Aufschluss darüber, ob und wie stark die Mikrozirkulation beeinträchtigt ist. Dazu wird ein sehr dünner und flexibler Messdraht mit Sensorpunkten in die Herzgefäße eingeführt, um nach der Zugabe bestimmter Arzneistoffe die Druckveränderungen in den Herzarterien zu ermitteln.

Chefarzt Dr. med. Christian Meyer, Facharzt für Innere Medizin, Kardiologie, Internistische Intensivmedizin, Notfallmedizin

Was sagen die Ergebnisse für die Behandlung aus?

Es gibt mittlerweile mehr als zwanzig unterschiedliche Substanzgruppen, die am Herzmuskel und an den Herzgefäßen angreifen und die Herzschwäche und Angina pectoris direkt oder indirekt reduzieren sollen. “Niemand kann alle Medikamentengruppen einnehmen”, stellt Dr. Meyer fest. Die Diagnostik der Mikrozirkulation bringt seiner Meinung nach mehr Ordnung in die Vorschläge: “Die ermittelten Werte sagen uns, mit welchen Medikamenten wir am ehesten erfolgreich sein werden und geben uns auch eine Möglichkeit an die Hand, den Erfolg einer solchen Therapie zu kontrollieren.”

Viele der Risikofaktoren für die Entwicklung einer mikrovaskulären Dysfunktion sind auch Risikofaktoren für die Entwicklung einer koronaren Herzerkrankung und einer Herzschwäche. “Es macht deshalb in vielerlei Hinsicht Sinn, neben der neugeordneten Medikation auch die zuvor beschriebenen Risikofaktoren zu reduzieren”, empfiehlt Dr. Meyer. Denn ohne eine Lebensstiloptimierung mit viel körperlicher Bewegung, Rauchstopp und Gewichtsabnahme ist auch das Fortschreiten einer KMD nur schwer in den Griff zu bekommen.

Umgekehrt führen solche Verhaltensänderungen zur Verbesserung von Blutdruck, Cholesterinspiegel und auffälligen Blutzuckerwerten und senken das kardiovaskuläre Ereignisrisiko. Im Zusammenspiel mit der individuell abgestimmten Medikamenteneinnahme kann man so Mikro- und Makrozirkulation verbessern und, selbst bei einer entsprechenden Veranlagung, langfristig das Fortschreiten der Erkrankungen deutlich ausbremsen.