Wunschtraum: Gesunder Darm

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Wenn man seine Verdauung deutlich spürt, funktioniert sie meist nicht reibungslos. Bauchkrämpfe, Blähungen oder Verstopfung weisen auf Verdauungsprobleme hin. (Foto: michaelheim / fotolia.com)

Warum so viele Menschen an Darmbeschwerden leiden

Chefarzt Dr. med. Willibald Prügl, Facharzt für Innere Medizin, Rettungsmedizin

Chefarzt Dr. med. Willibald Prügl, Facharzt für Innere Medizin, Rettungsmedizin

Während in den letzten Jahrzehnten viele lebensgefährliche Erkrankungen durch die Medizin besiegt oder zumindest zurückgedrängt werden konnten, sind vor allem im Bauchbereich neue gesundheitliche Probleme aufgetreten.

Die Medikamente gegen Stuhlverstopfung sind in vielen Drogerien und Apotheken ein Renner. Nahrungsmittelunverträglichkeiten sind heute eher die Regel als die Ausnahme. Unter Begriffen wie Reizdarm finden sich im Internet unzählige Einträge.

Aber was hat sich ernährungstechnisch geändert, dass der Darm aus einer lebenswichtigen Nebensache für viele Menschen ein schmerzhaftes Organ geworden ist?

Hauptproblem ist die Tatsache, dass unser Magendarmtrakt auf eine relativ einseitige Mangelernährung spezialisiert ist, so wie sie in frühen Jahrtausenden, im Mittelalter und bis kurz nach dem Zweiten Weltkrieg die Regel war. In dieser Nahrung befanden sich Ballaststoffe im Überfluss. Unser Darm funktioniert daher optimal, wenn er große Volumina an Speisebrei zu transportieren hat. Dies beschleunigt die Darmpassage, dadurch ist der Flüssigkeitsverlust des Darminhalts – die Hauptursache für die Verstopfung – deutlich vermindert. Außerdem verkürzt sich die Einwirkzeit von Schadstoffen, einschließlich krebserregender Stoffe, auf die Darmschleimhaut.

Des Weiteren war die Nahrung in früheren Zeiten deutlich mehr mit Keimen kontaminiert. Dies hatte zwar vor allem in der Kindheit häufige Infekte des Magendarmtrakts zur Folge, führte aber auch zu einer verbesserten und zielgerichteten Entwicklung des Immunsystems. Zum Beispiel werden bestimmte Lebererkrankungen (Hepatitis A, Gelbfieber) in der Kindheit relativ symptomarm überstanden, während sie im Erwachsenenalter schwerste Verläufe zeigen.

Weiterhin wird mittlerweile die These vertreten, dass eine verringerte Keimbelastung in der Kindheit in Folge übertriebener Hygiene zu einer Fehlentwicklung des Immunsystems in Richtung Allergie führt. So konnte gezeigt werden, dass bei Kindern, die auf einem Bauernhof aufwuchsen, signifikant weniger Allergien auftraten als bei Kindern in Städten. Begünstigt wird diese Entwicklung auch durch das extrem reichhaltige Angebot an Nahrungsmitteln in unseren Geschäften nach dem Motto: Wer keine exotischen Früchte kaufen kann, kann auch keine Allergien dagegen entwickeln.

Wenn man seine Verdauung deutlich spürt, funktioniert sie meist nicht reibungslos. Bauchkrämpfe, Blähungen oder Verstopfung weisen auf Verdauungsprobleme hin. (Foto: michaelheim / fotolia.com)

Wenn man seine Verdauung deutlich spürt, funktioniert sie meist nicht reibungslos. Bauchkrämpfe, Blähungen oder Verstopfung weisen auf Verdauungsprobleme hin. (Foto: michaelheim / fotolia.com)

Ein relativ junges Problem, das bei vielen Personen Blähungen und Bauchdrücken verursacht, ist der zunehmende Einsatz von Fruktose (= Fruchtzucker) in der Lebensmittelindustrie, da dieser Stoff ein stärkeres Süßungspotenzial besitzt als die bisher verwendete Glukose (= Traubenzucker). Leider besitzen viele Menschen nur eine begrenzte Aufnahmekapazität für Fruchtzucker im Dünndarm. Bei zu hoher Zufuhr verbleibt ein Großteil dieser Substanz im Darmlumen (= der freie, normalerweise mit Speisebrei oder Stuhl ausgefüllte Raum innerhalb der Darmschlingen) und dient als Futter für gasbildende Bakterien. Dies kann zu erheblichen Beschwerden bei den Betroffenen führen. Eine ähnliche Symptomatik findet sich bei Milchzuckerunverträglichkeit (Laktoseintoleranz), wobei Milchprodukte von den Betroffenen wesentlich leichter zu erkennen und damit auch zu vermeiden sind als unterschiedlichsten Lebensmitteln zugesetzte Fruktose.

Ein weiteres zweischneidiges Schwert für unsere Gesundheit sind Antibiotika, die bei richtiger Anwendung viele Menschenleben retten können. Der Einsatz dieser Medikamente führt bei uns Menschen, die wir in enger Symbiose mit den Keimen auf unserer Haut und im Magendarmtrakt leben, zu einer erheblichen Störung dieses für das Wohlbefinden sehr wichtigen Zusammenlebens.

Durch die Gabe eines Breitbandantibiotikums werden ca. 99% unserer Darmflora zerstört. Einerseits geht dadurch die wichtige Fähigkeit des Abbaus von Gallensäuren durch anaerobe Bakterien verloren, was zu einem sogenannten chemischen Durchfall führen kann. Andererseits wird das Wachstum von resistenten Keimen, insbesondere des Bakteriums Clostridium difficile gefördert, deren Vermehrung wiederum zu einer schwer zu therapierenden Durchfallerkrankung führen kann.

Auch ohne das Auftreten dieser manchmal lebensgefährlichen Erkrankung wird durch jede antibiotische Therapie die Diversität des Mikrobioms (= Bezeichnung für die Gesamtheit der Darmflora) erheblich beeinträchtigt. Letztlich ist eine gesunde Mischung der mehr als 1.000 im Darm vorkommenden Bakterienarten für unser Wohlbefinden äußerst wichtig. Therapeutisch können dazu sogenannte Prä- und Probiotika eingesetzt werden, die das Wachstum von “guten” Bakterien fördern.

Eine gestörte Darmflora kann viele Krankheiten verursachen. (Foto: Alex/fotolia.com)

Eine gestörte Darmflora kann viele Krankheiten verursachen. (Foto: Alex/fotolia.com)

Bei einer durch andere Maßnahmen, insbesondere durch spezielle Antibiotika, nicht zu therapierenden Clostridien-Infektion wird mittlerweile sogar die sogenannte Stuhltransplantation mit großem Erfolg eingesetzt. Dabei wird den Patienten aufgelöster Stuhl eines gesunden Empfängers in den Darm gegeben, was in den meisten Fällen zu einer raschen und anhaltenden Heilung dieser sehr ernsten Erkrankung führt.

Letztendlich unklar ist immer noch die Ursache des sog. Reizdarmsyndroms, bei dem unter anderem eine gesteigerte Schmerzempfindlichkeit des Darms vermutet wird. Für die Stellung dieser Diagnose müssen die oben aufgeführten sowie weitere Erkrankungen ausgeschlossen werden. Anschließend muss eine Reihe von Kriterien, die in einer Leitlinie (sog. Rom-IV-Kriterien) festgelegt sind, erfüllt sein, um diese Diagnose stellen zu können. Dazu gehören eine Dauer der Beschwerden von über drei Monaten und eine gewisse Häufigkeit. Das Reizdarmsyndrom wird weiter unterschieden in einen durchfalllastigen, einen verstopfungslastigen sowie einen gemischten Typ. Zur Therapie steht eine Reihe von Medikamenten zur Verfügung, darunter sind auch pflanzliche Präparate und Psychopharmaka.

Untersuchungen und Diagnose

Die Abteilungen für Innere Medizin der Krankenhäuser der Landkreis Passau Gesundheitseinrichtungen sowie die dazugehörigen Ambulanzen bieten bei Darmbeschwerden eine reichhaltige diagnostische Palette zur Erkennung dieser Krankheitsbilder an. Im Vordergrund steht der Ausschluss von tumorösen Leiden und entzündlichen Darmerkrankungen (Morbus Crohn, Colitis ulcerosa) durch endoskopische Untersuchungen.

  • Im Krankenhaus Wegscheid…
    werden im Jahr ca. 900 Koloskopien, ca. 1.000 Gastroskopien sowie über 3.000 Sonographien durchgeführt. Des Weiteren werden stationären Patienten auch CT-Untersuchungen des Bauchraums angeboten. Demnächst ist die Anschaffung eines sog. Atemtest-Geräts geplant, mit dem Erkrankungen wie Laktose-, Fruktose-, Sorbit-Intoleranz sowie bakterielle Fehlbesiedelungen des Darms diagnostiziert werden können.
  • In den Krankenhäusern Vilshofen & Rotthalmünster…
    werden von den Partnerabteilungen eventuell notwendig werdende Untersuchungen der Gallengänge (ERCP) angeboten. Dort besteht auch die Möglichkeit einer sog. Kapselendoskopie, bei der Blutungen im ansonsten schwerzugänglichen Dünndarm mittels einer zu schluckenden Kamera diagnostiziert werden können. Eine umfangreiche Labordiagnostik wird vom Partnerlabor MVZ Labor Passau zur Verfügung gestellt.