Rheumatherapie: Mehr als nur Medikamente

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Die Rheumaklinik Ostbayern in Bad Füssing bietet eine moderne multimodale Therapie gegen Rheuma, die deutschlandweit selten ist.

Rund 20 Millionen Deutsche haben Rheuma, wobei es “das Rheuma” nicht gibt. Der Begriff deckt über 400 verschiedene Krankheitsformen ab. Seit 2006 behandelt die Rheumaklinik Ostbayern in Bad Füssing als Teil der Landkreis Passau Gesundheitseinrichtungen rheumakranke Patienten. Dabei setzt sie auf einen starken Partner: Das Orthopädiezentrum Bad Füssing, in Trägerschaft der Deutschen Rentenversicherung. Die fruchtbare Zusammenarbeit ermöglicht die Versorgung mit einem multimodalen Therapiekonzept, welches in anderen Akutkliniken Deutschlands nur selten zur Verfügung steht.

Dr. Sebastian Schnarr, Chefarzt der Rheumaklinik Ostbayern

Dr. Sebastian Schnarr, Chefarzt der Rheumaklinik Ostbayern

Rheumatische Erkrankungen sind meist sogenannte “Systemerkrankungen”. Patienten klagen zwar über Schmerzen in Gelenken, Muskeln oder der Wirbelsäule, die Erkrankung kann aber auch Blutgefäße oder verschiedene innere Organe betreffen. Da es sich bei den meisten entzündlich-rheumatischen Krankheiten um nicht heilbare chronische Erkrankungen handelt, resultieren aus dem Krankheitsverlauf bei nicht optimaler Behandlung eine drastische Verschlechterung der Lebensqualität, ein frühzeitig drohender Verlust des Arbeitsplatzes, vorzeitige Berentung, gesellschaftliche Isolation und eine verkürzte Lebenserwartung.

Zum Glück hat die medikamentöse Therapie entzündlich-rheumatischer Erkrankungen in den letzten zehn Jahren dramatische Fortschritte gemacht. Viele der neueren Rheumamedikamente sind zwar sehr teuer, können aber meist Gelenkzerstörungen oder andere schwere Folgeerscheinungen chronisch-rheumatischer Erkrankungen vermeiden helfen. Die richtige medikamentöse Therapie ist aber immer nur eine Seite der Medaille eines multimodalen Therapiekonzepts.

In der Ergotherapie können Fingerfertigkeit und Geschicklichkeit trainiert sowie Bewegungseinschränkungen der Fingergelenke verbessert oder behoben werden. Gelingt dies nicht, kann man mit einer Schienenversorgung eine bessere Funktion oder Lagerung von Gelenken erreichen oder durch adäquate Hilfsmittel Gelenkbelastungen im Alltag vermindern. Auch thermische Behandlungen wie Paraffinbäder oder Rapskneten können dazu beitragen, Fingergelenke wieder besser beweglich zu machen.

Bei Problemen der großen Gelenke ist dagegen die Physiotherapie gefragt. Von Einzelkrankengymnastik bis zu Gruppentherapien, von Trockengymnastik bis zu Bewegungsübungen im Bewegungsbad sind viele Varianten der Physiotherapie möglich. Besonders gerätegestützte Krankengymnastik kann helfen, geschwächte Muskelgruppen gezielt zu trainieren oder eingeschränkten Gelenken wieder zu ihrem ursprünglichen Bewegungsumfang zu verhelfen. Die Übergänge zur Sporttherapie sind dabei teilweise fließend. Denn Ausdauertraining, sei es auf dem Fahrradergometer oder an der frischen Luft beim Nordic Walking, kräftigt nicht nur die beanspruchte Muskulatur, sondern trainiert auch die Leistungsfähigkeit des Herz-Kreislauf-Systems.

Einzigartig in Niederbayern: Behandlung in der Kältekammer

Die Behandlung in der Kältekammer bei -110 Grad Celsius lindert chronische Rheumaschmerzen. (Foto: Orthopädiezentrum Bad Füssing)

(Foto: Orthopädiezentrum Bad Füssing)

Mit der einzigen Kältekammer in Niederbayern besitzt das Orthopädiezentrum Bad Füssing eine besondere Therapieform zur Behandlung chronischer Schmerzen, die auch den Patienten der Rheumaklinik Ostbayern zur Verfügung steht. Als Soforteffekt der Kältebehandlung mit -110°C tritt eine schmerzlindernde Wirkung bis hin zur Schmerzfreiheit durch Blockade der Schmerzrezeptoren und Beeinflussung der Nervenfasern ein. Weitere Wirkungen sind die Senkung des Muskeltonus und die damit einhergehende Entspannung der Muskulatur. Zusätzlich wird ein entzündungshemmender und die Abwehrkräfte stärkender Effekt beschrieben.

Auch müssen viele Patienten lernen, mit den seelischen Belastungen einer chronischen und eventuell fortschreitenden Erkrankung in ihrem Leben zurechtzukommen. Einzelgespräche mit einem Psychologen können zur Schmerzbewältigung hilfreich sein. Auch das Erlernen von Entspannungsverfahren ist oft ein wichtiger Schritt auf dem Weg, mit einer chronischen Erkrankung besser zurechtzukommen.

Der Sozialdienst des Hauses berät und unterstützt die Patienten zusätzlich in Fragen zu anstehenden Rehabilitationsbehandlungen, zu Möglichkeiten der weiteren pflegerischen Versorgung oder auch zu Themen wie Umschulung oder Berentung.

Durch die enge Kooperation von Akutmedizin und Rehabilitationsmedizin kommen die Rheumapatienten in den Genuss eines umfassenden Therapiekonzepts, das neben den körperlichen Beeinträchtigungen auch psychologische und sozialmedizinische Aspekte berücksichtigt.

Die Wahl der richtigen Rheumamedikamente ist weiterhin ein entscheidender Faktor in der Therapie. Es wäre jedoch unangemessen, eine moderne Rheumatherapie nur auf medikamentöse Behandlungen zu beschränken. Daher sollten Patienten mit chronischen rheumatischen Erkrankungen selbst aktiv an der Bewältigung ihrer Erkrankung mitarbeiten. Das multidisziplinäre Team der Rheumaklinik Ostbayern unterstützt die Patienten auf diesem Weg bestmöglich.


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